In der Oberliga Sachsen musste sich die SG LVB Leipzig dem BSV Limbach-Oberfrohna in dieser Saison zweimal geschlagen geben. Dennoch sicherten sich die Leipziger souverän Platz zwei, während Limbach ebenso souverän die Meisterschaft gewann und nun mit dem Pokalsieg das Double perfekt machen wollte.
Die SG LVB hatte sich zuvor mit soliden, teils knappen Erfolgen durch den Wettbewerb gearbeitet. Im Finale des HVS-Landskron-Pokals trafen damit der Erst- und Zweitplatzierte der Sachsen-Oberliga aufeinander – zwei Mannschaften, die sportlich zur Spitze gehören, aber unterschiedlicher kaum sein könnten.
Wir als Straßenbahner können dabei nur für uns sprechen. Der Kern der Mannschaft stammt noch immer aus jener Meistermannschaft, die zwei Jahre in Folge die Verbandsliga ohne Verlustpunkt gewann und damit den Durchmarsch schaffte. Gleichzeitig wird bei der SG LVB weiter konsequent auf die Jugend gesetzt. Allein im Pokalfinale standen mit Oskar Woischnik, Noah Freiberg und Luis Gauger gleich drei 18- Jährige im Kader – und da wird im nächsten Jahr noch einiges nach kommen.
Auch die Vereins- und Fankultur wächst wieder spürbar. Erste Männer, Zweite Männer, Vorstand, Trainerinnen, Trainer, Fans und alle Straßenbahner arbeiten gemeinsam daran, den Verein in Leipzig nachhaltig zu etablieren. Dass die Heimspiele inzwischen wieder gut besucht sind, ist nur eines der sichtbaren Ergebnisse. Und eines ist klar: Die SG LVB hat noch einiges vor.
Vor dem Finale war der Außenseiterstatus dennoch klar verteilt. Die SG LVB wusste zwar: Alles ist möglich. Doch nach zwei Niederlagen gegen Limbach hielten viele einen Sieg im dritten Duell für eher unwahrscheinlich.
Hinzu kam großes Verletzungspech in den vergangenen Wochen. Zu den Langzeitverletzten Benedikt Lange mit Kreuzbandriss zu Saisonbeginn und Jakob Fritsch mit Achillessehnenriss nach der Winterpause gesellten sich kurzfristig auch Tom Krause mit einer Fußverletzung sowie Michel Heidecker – Topscorer der Mannschaft – mit Wadenproblemen. Auch Kapitän Fritz Rothe musste seit dem Jahreswechsel aufgrund von Achillessehnenproblemen passen, unterstützte die Mannschaft aber als Co-Trainer von außen, dirigierte Wechsel und gab wichtige Impulse für Spielansätze.
Umso wichtiger war es, auf Spieler wie Danilo Rieger am Kreis, Paul Kupsch aus der zweiten Mannschaft und natürlich auf den späteren Pokal- und Finalhelden Marc-Oliver Essen zurückgreifen zu können.
Auch das Trainerteam lebte das Finale emotional voll mit. Cheftrainer Stefan Remane führte die Mannschaft souverän durch die Partie, während Torwarttrainer Sandro Zähle bei jeder Parade seiner Keeper mitfieberte und Alex Kunze sowie Marc-Oliver Essen lautstark feierte.
Trotz Straßenbahn im Herzen ging es als bunte Truppe mit dem Bus Richtung BallsportARENA Dresden. Der Handballverband Sachsen hatte dort alles hervorragend vorbereitet – inklusive Spielkommentatoren und Podcast-Vertretern vom „Hackepeter im Foyer“.
Limbach zog derweil alle Register, um das Double perfekt zu machen. Riesige Banner, Fahnen und zahlreiche mitgereiste Fans machten das Finale in Dresden beinahe zu einem Heimspiel für den Meister.
Schon vor dem Anpfiff war klar: Dieses Finale würde besonders werden. Doch auch die Leipziger Fans positionierten sich lautstark auf der Tribüne und sorgten für echte Pokalatmosphäre.
Beim Einlaufen zeigte sich dann bereits das erste sinnbildliche Bild dieses Tages. Während Limbach eigene Einlaufkinder mitgebracht hatte, liefen die Leipziger gemeinsam mit den Einlaufkindern der Zwickauer Frauen ein – und weil diese nicht ganz ausreichten, stürmten Hannes Zerrenner und Igor Ziegler Ruiz kurzerhand Hand in Hand mit Martin Schnitzer in die Halle. Ein kleines Detail, das perfekt zur bunten Straßenbahner-Truppe passt.
Von Nervosität war anschließend nichts zu spüren. Bereits nach 39 Sekunden eröffnete Tobias Rudorf das Finale mit dem 1:0 für Leipzig. Die Partie entwickelte sich zunächst ausgeglichen, doch nach dem 4:4 in der siebten Minute begann die stärkste Phase der Leipziger. Vincent Rein und Martin Schnitzer trafen zum 6:4 und vor allem die super bewegliche und im Verbund agierende Leipziger Abwehr zwangen Limbach früh zur ersten Auszeit. Danach spielte die SG LVB groß auf.
Die Leipziger lieferten Defensive eine überragende Vorstellung ab. Über mehr als zehn Minuten verriegelte die Abwehr gemeinsam mit Torhüter Alex Kunze das eigene Tor nahezu komplett. Besonders bemerkenswert: Der erst 18-jährige Oskar Woischnik brachte schon früh enorme Stabilität in den Mittelblock und zeigte eine abgeklärte Leistung weit über sein Alter hinaus.
Auch Noah Freiberg, ebenfalls noch A-Jugendlicher, zeigte auf Linksaußen eine sehr souveräne Partie. Während zuletzt vor allem seine Würfe im Fokus standen, überzeugte er diesmal insbesondere mit einer starken und disziplinierten Abwehrleistung. Luis Gauger komplettierte als weiterer A-Jugendlicher den Leipziger Kader und sammelte wichtige Erfahrungen in dieser besonderen Atmosphäre.
Vorne verteilte sich die Verantwortung auf viele Schultern. Vincent Rein traf dreifach, Hannes Zerrenner verwandelte sicher vom Punkt und Roman Rammner zeigte erneut, warum er seit seinem Wechsel im Winter eine echte Bereicherung für das Leipziger Spiel ist. Igor Ziegler Ruiz dirigierte das Angriffsspiel mit beeindruckender Ruhe und Übersicht, während Stefan Hühn in seinem letzten Spiel für die SG LVB noch einmal eine absolute Defensivschlacht lieferte.
Bis zur 25. Minute spielte Leipzig nahezu perfekt und zog zwischenzeitlich auf 12:5 davon. Erst kurz vor der Pause fand Limbach wieder besser ins Spiel und verkürzte bis zum Halbzeitpfiff auf 10:13. Ein direkt verwandelter Freiwurf mit der Sirene sorgte dabei noch einmal für zusätzlichen Ärger bei den Leipzigern.
Allen war in der Kabine klar: Die zweite Halbzeit würde noch einmal bei null beginnen.
Und genau so kam es. Limbach startete aggressiv und glich in der 38. Minute zum 16:16 aus. Kurz darauf gingen die Favoriten sogar erstmals mit 19:18 in Führung. Doch die SG LVB verlor nie die Ruhe.
Immer wieder fanden die Leipziger Antworten. Maximilian Kiethe traf sehenswert aus dem Rückraum, Michel Heidecker erzielte per feinem Lupfer den wichtigen Ausgleich und Martin Schnitzer stellte mit einem wuchtigen Treffer wieder auf zwei Tore Vorsprung.
Spätestens jetzt war das Finale pure Crunch-Time.
In dieser Phase begann die große Show von Marc-Oliver Essen. Der Torhüter nahm den Limbachern in den letzten 15 Minuten gleich mehrere freie Würfe ab und hielt Leipzig damit immer wieder in Führung. Paraden im Eins-gegen-eins, Reflexe vom Kreis und gehaltene freie Bälle machten ihn völlig verdient zum Spieler des Spiels.
Limbach stellte in den Schlussminuten auf offensive Deckung um und kam mehrfach noch einmal auf ein Tor heran. Doch die Leipziger hielten dagegen, kämpften um jeden Ball und fanden offensiv immer wieder Lösungen.
59:44 Minuten waren gespielt, als schließlich Roman Rammner den letzten Treffer des
Finals erzielte und mit dem 27:25 alles klar machte. Sekunden später brachen sämtliche
Dämme. Spieler und Fans stürmten jubelnd aufs Feld, im Leipziger Tor bildete sich
sofort ein wilder Jubelhaufen rund um und auf Marc-Oliver Essen, bevor Mannschaft und
Anhänger gemeinsam feierten.
© freds_archive
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Für die SG LVB ging damit ein fast unmöglich erscheinender Traum in Erfüllung. Nach zwei Niederlagen in der Liga ausgerechnet im Finale gegen den Meister zu gewinnen – und dabei über weite Strecken das bessere Team zu sein – machte diesen Pokalsieg umso besonderer.
Ein riesiges Dankeschön an alle, die im Vorhinein mitorganisiert haben, so unglaublich lautstark unterstützt haben und alle die auch die Straßenbahn im Herzen tragen.
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