25.02.10 von Norbert Töpfer (LVZ).
Noch zum Jahreswechsel schien die Welt bei den LVB-Handballern mit 14:16 Punkten in Ordnung. Doch dann kam der Einbruch: Die Schützlinge von Trainer Jens Große kassierten fünf Niederlagen hintereinander, so dass bei noch zehn Spielen vieles für den Abstieg des Regionalliga-Neulings spricht.
Frage: Wie kann es zu solch einer Negativserie kommen?
Jens Große: Wir spielen meistens mit. Aber es gelingt uns einfach nicht, über 60 Minuten die Leistung abzurufen, die in der starken Südstaffel der Regionalliga notwendig ist.
Woran liegt das?
Das liegt mit daran, dass wir auf die Jugend bauen. Wir haben den jüngsten Kader der Staffel. Dazu kommt das Verletzungspech, was allerdings die anderen Teams genauso betrifft. Ein negativer Knackpunkt war das verlorene Heimspiel gegen Konstanz, das wir nach sicherer Führung noch aus der Hand gaben. Hinzu kommt die grottenschlechte Leistung in Oftersheim. Dieses Spiel beim Letzten hätten wir klar gewinnen müssen, doch wir haben dort verloren. Allein in dieser Partie haben wir neun Konterchancen ausgelassen. Dazu kamen viele Regelfehler, die der Gegner natürlich bestraft hat.
Sie sagen, dass die Mannschaft nicht in der Lage ist, über 60 Minuten ihre Leistung abzurufen, wozu sie eigentlich in der Lage ist. Fehlt die Kondition?
Nein. Wir trainieren fünfmal pro Woche ordentlich. Wir können leider nie voraussehen, wann dieser kurze Aussetzer kommt, der meist nur über fünf Minuten geht. Gegen Konstanz sind wir mit 0:5 gestartet. Gegen Pirna führten wir 15:11 und gingen mit 15:15 in die Pause. Wir müssen daran arbeiten, dass so etwas nicht mehr passiert.
War es vielleicht ein Fehler, dass Sie zu Saisonbeginn die Partien mit zu wenig Akteuren durchgespielt haben?
Wir haben in den letzten Begegnungen die Anteile auf breitere Schultern verlagert. Aber wir waren mit dem kleinen Kader recht erfolgreich. Jetzt kommen mehr Spieler zum Einsatz. Auch weil sie etwas lernen sollen in der Regionalliga. Wir alle wollten den Aufstieg, denn noch ein Jahr Oberliga mit dieser Mannschaft wäre sinnlos gewesen.
Um den Abstieg zu vermeiden, hätten Sie sich doch verstärken können...
Die Spieler, die wir dafür gebraucht hätten, sind unbezahlbar für uns. Andrere Teams, die mit uns unten stehen, haben dafür in der WM-Pause noch mal nachgelegt. Da ist richtig Geld ausgegeben worden. Außerdem bleiben wir bei unsere Philosophie: Arbeit und Ausbildung geht immer vor. Wir setzen auf die jungen Handballer, die bei uns höherklassig spielen, aber keine Profis sind.
Wie schätzen Sie angesichts der sieben Punkte Rückstand zum ersten Nichtabstiegsplatz die Chancen ein, die Klasse doch zu halten?
Solange es noch rechnerisch möglich ist, glauben wir natürlich an unsere Chance. Doch es wird von Spiel zu Spiel schwerer. Wenn wir am Sonntag zu Hause gegen Friedberg nicht gewinnen, wird es richtig eng.
Möchten Sie bei einem Abstieg LVB-Trainer bleiben?
Wir haben uns als Team weiter entwickelt. Wir kämpfen und spielen meist guten Handball, erhalten viel Lob dafür. Wir belohnen uns oft nur nicht mit Punkten. Ich würde die Mannschaft gern weiter trainieren.
Norbert Töpfer in der Leipziger Volkszeitung vom 25.02.2010, Seite 28