1.Männer:
Interview in der Leipziger Volkszeitung
Große will sich mit jungem Team in Liga drei etablieren
LVB-Coach Jens Große an der Seitenlinie. Foto: Martin Glass
23.05.11 von Winfried Wächter (LVZ).
Bereits drei Spieltage vor Saisonende sicherten sich die Handballer der SG LVB die Meisterschaft in der Mitteldeutschen Oberliga. Mit dem siegreichen Heimspiel gegen Glinde am vergangenen Sonnabend beendete der Drittliga-Aufsteiger die Saison. Trainer Jens Große zieht Bilanz, schaut in die Zukunft und erklärt das Verhältnis zum SC DHfK.
Frage: Drücken Sie dem Ortsrivalen in den Aufstiegsspielen zur zweiten Bundesliga die Daumen oder wollen Sie lieber ein Derby in der dritten Liga?
Jens Große: Ich drücke die Daumen. Alle Teams haben klare Ziele. DHfK will in die zweite Liga, wir wollen uns in Liga drei etablieren. Und die Jungs der Spielgemeinschaft Handball-Akademie müssen so nahe wie möglich an unsere Klassen herangeführt werden.
Sie werden sicher auch mit Zugängen vom SC DHfK rechnen. Die jetzigen Akteure können doch nicht alle mit in die zweite Liga gehen?
Es steht fest, dass Rückraumspieler Marcus Leuendorf und Torwart Sebastian Schulz zu uns kommen. Sie haben bereits unterschrieben. Es sind zwei gute Verstärkungen.
Ist dieses Duo ausreichend?
Nein. Wir müssen uns weiter umsehen. Wir brauchen noch einen Kreisläufer und einen variabel einsetzbaren Rückraumspieler. Das wird schwierig, weil aufgrund der Bildung der neuen eingleisigen zweiten Liga viele Handballer noch nicht wissen, woran sie sind. Hinzu kommt, dass einige Spieler, mit denen wir Kontakt hatten, für uns finanziell eine Nummer zu groß sind.
Wie ist Ihr Verhältnis zum SC DHfK?
Von meiner Seite gibt es keine Probleme. Ich verstehe mich zum Beispiel sehr gut mit Trainer Uwe Jungandreas. Wir tauschen bei Bedarf auch mal die Hallenzeiten. Es gibt kein Konkurrenzdenken. Der Aufstieg wäre die beste Lösung. Es gäbe nicht mal Ansätze für Reibereien.
War der eindrucksvolle Durchmarsch Ihrer Mannschaft zu erwarten?
Das spielerische Potenzial dazu ist vorhanden. Wir haben uns mit Zugängen wie Sascha Meiner und Krzysztof Zart enorm verstärkt. Doch selbstverständlich war die Leistung nicht. Vor allem, wenn ich daran denke, dass wir während der gesamten Saison extrem von Verletzungssorgen geplagt waren. Darunter waren schwere Fälle wie Richard Wagner oder Daniel Kunz. Mit nur sieben Minuspunkten haben sich die Jungs klasse geschlagen.
Haben Sie angesichts der Vormachtstellung des SC DHfK mit dem hohen Zuschauerdurchschnitt gerechnet?
Nein. Vor allem, weil Leipzig jedes Wochenende ein großes Sportangebot vorweisen kann. Wir sind sehr überrascht, wie gut unser spielerischer, aber auch athletisch betonter Handball angenommen wird. Mit 300 bis 500 Zuschauern sind wir gut dabei. Das hatte auch mit der Mitteldeutschen Oberliga zu tun. Da kommen gleich mal 50 Fans vom Gegner mit.
Einige Ihrer jungen Spieler haben durch konstant starke Leistungen sicher auch das Interesse anderer Vereine geweckt. Könnten diese LVB verlassen?
Die Jungs haben alle ihre Verträge verlängert. Ich glaube das auch nicht, weil wir unser Ziel Drittliga-Aufstieg geschafft haben.
Sie haben viele DHfK-Spiele gesehen. Kann LVB in dieser Liga mithalten?
Wir sind auf einem guten Weg, den Klassenerhalt schaffen zu können. Günstig ist, dass es diesmal nur zwei Absteiger gibt. 09/10, als wir diese Klasse nicht halten konnten, sind immerhin sechs Teams abgestiegen. Aber mit den Spielern, die ich im Augenblick zur Verfügung habe, wird es schwer. Wir haben zwar eine junge, gute Mannschaft. Aber wir geben aus den verschiedenen Gründen auch vier bis fünf Spieler ab. Einige gehen in die zweite Reihe zurück, andere wie Abwehrspezialist Alexander Pietzsch hören auf. Da müssen wir für gleichwertigen Ersatz sorgen. Denn diese Liga wird aufgrund der starken Absteiger aus der zweiten Liga knallhart.
Werden Sie die Trainingsintensität erhöhen?
In der Vorbereitung ja. Es ist auch eine Frage der Hallenkapazitäten. Die Zeiten, wo wir Rücksicht auf die Familien der Spieler nahmen, sind leider vorbei. Möglicherweise werden wir fünfmal trainieren, wenn Sonntagsspiele anstehen. Das ist der Entwicklung unserer Gesellschaft geschuldet. Es geht nur nach Leistung. Und wer die bringt bei uns, kann dritte Liga spielen. Wir als Verantwortliche müssen die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Damit sind wir noch am unteren Limit in der Liga. Bei uns sind schließlich auch berufstätige Männer aktiv. Aber zehn Studenten zu haben, ist in dieser Hinsicht recht günstig.
Ist die 3. Liga das Ende der Fahnenstange?
Ja, eindeutig. Die eingleisige zweite Liga können wir uns finanziell nicht leisten. Wir wollen mit jungen Spielern die dritte Liga halten. Sie sollen dabei ihre Ausbildung fortsetzen oder einen Job voll ausüben, den wir ihnen als Verein bei Bedarf vermitteln können. Damit können wir sie an Leipzig binden.
Glauben Sie, dass sich der HC Leipzig angesichts des Aufschwungs im Männer-Handball Sorgen machen muss?
Nein. Der Klub hat eigene Sponsoren und Fans. Die Frauen sind international dabei, spielen in einer anderen Liga als wir. Wir kommen uns nicht ins Gehege. Weil Leipzig eine Handball-Stadt ist.
Interview von Winfried Wächter und Norbert Töpfer in der Leipziger Volkszeitung vom 19. Mai 2011, Seite 25
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